“Zeugen alter Kultur” … 6. Radwanderung 2010

 

unsere Gruppe

  Die Radlergruppe des SB von BK  (12 Teilnehmer) fuhr am 28. 07. 2010 mit PKWs nach Mauthausen. Am alten Ziegeleigelände wurde geparkt und wir radelten erst durch den Ort Mauthausen Richtung Langenstein.

  Mauthausen hat eine alte Geschichte. Funde aus der Jungsteinzeit beweisen ein altes Siedlungsgebiet. Es liegt am Schnittpunkt von 2 Handelswegen: durch eine Furt führte die uralte Salz-und Eisenstraße über die Donau von Süden nach Norden Richtung des späteren Böhmen. Von Westen nach Osten verlief schon zur Römerzeit die Limesstraße entlang der röm. Reichsgrenze, bzw. der Schiffsverkehr auf der Donau. Die Babenberger gründeten Ende des 10. Jhts. eine Mautstelle. 1192 wurde die Ansiedlung erstmals als “Muthusin” erwähnt. Als Warenumschlagplatz brachte es der Ort zu einer Blüte. 1446 stattete Kaiser Friedrich III. den Markt mit weiteren Privilegien aus. Kirchlich gehörte es zur Pfarre Ried,zur Diözese Passau, ab 1122 gehörte es zum Stift St. Florian. 1424 zerstören die Hussiten den Markt. 1544 bis 1599 gibt es protestantische Gottesdienste in der Heinrichskirche, ab 1578 wieder katholische Messen in der Nikolauskirche.

  1490 bekam Laßla Prager die Herrschaft, der auf der kleinen Donauinsel das Schloß Pragstein baute. 1505 wurde etwas flussaufwärts die erste stabile Brücke über die Donau gebaut.

  Die Bauernkriege, der Dreißigjährige Krieg und die Türkeneinfälle des 16. u. 17. Jhts brachten auch Zerstörungen des Ortes mit sich. Geplündert wurde der Ort auch mehrmals von den Franzosen wd. der Napoleonischen Kriege.

  Die “Fliegende Brücke” ein Fährschiff mit Verankerung am Schloss Pragstein wurde 1821 in Betrieb genommen, die Eisenbahnbrücke 1871/72 errichtet. Im 19. Jht. nahm die Mauthausener Steinindustrie ihren Aufschwung . Bis 1200 Steinarbeiter waren beschäftigt, die Steine wurden zumeist per Schiff weitertransportiert.

  Im Ersten Weltkrieg befand sich im Osten des Ortes ein Kriegsgefangenenlager (40 000 Mann), 9 000 starben und ein Soldatenfriedhof erinnert an sie.

  Zwischen 1938 und 1945 befand sich im Westen des Gemeindegebietes das KZ, wo ca. 200 ooo Menschen interniert waren und ca. 110 000 unter unmenschlichen Haft-u. Arbeitsbedingungen verstarben. Ungefähr 4 500 Juden wurden vergast.

  Die Donau machte mit großen Hochwässern dem Ort wiederholt zu schaffen, die letzten 1954 und 2002. Seit 2010 gibt es einen Hochwasserschutz aus Beton- Stahlkonstruktion, der in wenigen Stunden errichtet werden kann.

  Über Langenstein, Gusen und Abwinden radelten wir zur Donau, die wir auf der Kraftwerksbrücke überquerten.

  Das Kraftwerk Abwinden-Asten ist ein Laufkraftwerk in der Donau mit 9 Kaplan-Rohrturbinen und 9 Generatoren. Das Maschinenhaus liegt am südl. Donauufer. Es leistet  996 Mill. kWh bei einer Fallhöhe von 9,3 m. Eigentümer ist der Verbund. Gebaut wurde es zwischen 1976-1979. Am rechten Stauufer entwickelte sich ein Freizeitareal. Durch die rückstaudämme entlang der Donau und der Traun wurde der Linzer bereich hochwasserfrei, auch der Linzer Hafen profitierte, er ist auch bei Niederwasser voll schiffbar.

  Nach der Überquerung der Donau rechts auf den Kulturradweg durch die Au und vorbei am Ausee.

  Der Hohenlohe AuSee- Asten, gegründet 1985 ist ein 23 ha großer Badesee im Privatbesitz, inmitten der Donauauen gelegen mit abwechslungsreicher und naturnaher Gestaltung der Ufer-und Liegeflächen und bekannt guter Wasserqualität. Sehen konnten wir den Wasserschilift, Kinderwasserrutsche, 5 m Sprungturm und die Trampolinanlage.

  Als nächstes erreichten wir Raffelstetten. Den Wenigsten ist die Raffelstettner Zollordnung bekannt. Sie wurde zwischen 903 und 906  im Auftrag des Frankenkönigs verfasst und ist das älteste erhaltene Wirtschaftsdokument Österreichs. In dem Dokument wurden die Rechte im Donauverkehr festgelegt

  Nach Unterquerung der Westbahn erreichten wir den Pichlinger See heute ein Naherholungsgebiet im Osten von Linz. Er besitzt eine Wasserfläche von 31 ha, im Schnitt 4 m tief (max. 12 m) und wird vom Grundwasser gespeist.   Bis zu 250 000 Badegäste tummeln sich im Sommer hier aber auch wd. der anderen Jahreszeiten ist er bei den verschiedensten Sportarten beliebt. Entstanden ist er durch Schotterabbau zum Bau der Hermann-Göring-Werke 1938 und später zum Bau der A1, nachdem sich die Schottergrube mit Grundwasser gefüllt hatte. Seit 1947 wird er als Badesee benützt. In den 80-ger und 90-ger Jahren war er von Algen überwuchert, derzeit hat man dasProblem aber im Griff.

  Unsere Route ging nach Überquerung der B1 und Unterfahrung der A1 weiter durch die Ortschaft Tödling und Taunleiten. Hier fallen besonders die riesigen Bauerngehöfte, meist Vierkanter, auf und zeugen von Reichtum der der Besitzer. Nach einigen km. kamen wir nach St. Florian (das Stift besuchten wir diesmal nicht), bogen li. ab und erreichten nach Überquerung der Bundesstraße den Sumerauer Hof (heute ein bäuerl. Freilichtmuseum).

  NachSamesleiten und vorbei an Schloss Tillysburg weiter Richtung Enns auf wenig befahrener Straße. Die Durchfahrt durch Enns mit der Gruppe war durch die gute Beschilderung des Radweges kein Problem (wir erzeugten keinen Verkehrsstau trotz der Mittagszeit)! Über Enns, die älteste Stadt Österreichs (1212 Stadtrecht verliehen vom Babenbergerherzog Leopold VI.) will ich in einem separaten Blog berichten.

  Die Beschilderung “Donauradfähre” führte uns nach Enghagen, wo wir beim Heurigenwirt Hammerl ein sehr gutes und  ausgiebiges Mittagessen bekamen. Gestärkt mit Speis und Trank bewältigten wir alle problemlos die letzten paar km bis zur Fähre, die uns nach Mauthausen übersetzte, wo unsere PKWs abgestellt waren. Nach ca. 45 km war die schöne und abwechslungsreiche Tour vorbei an Zeugen alter Kultur zu Ende.

Quellen: Radrundrouten im bayrisch-oberösterreichischen Donautal, Wikipedia, Chr. Huemer, Kleindel;Österreich Daten zur Geschichte und Kultur

Erwin, einer unser Treuesten
Hohenlohe Ausee

Schloss Tillysburg
Mittagsrast in Enghagen

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