Speyer und der Dom der Salier, Erinnerung an einen Besuch

Am 19. Sept. 2011hatte ich Gelegenheit , die Stadt Speyer und den Kaiserdom zu besuchen.

Speyer hat heute etwa 50 000 Einwohner, liegt am Oberrhein  etwa 20 km südl. von Mannheim/Ludwigshafen und 34 km nördl. von Karlsruhe, im Osten jenseits des Rheins liegt Hockenheim, allen bekannt wegen seiner GP Rennstrecke. Speyer liegt im Bundesland Rheinland-Pfalz.

Dass in diesem  Gebiet an den Terrassen des Rheins schon seit Jahrtausenden Menschen sich aufhielten, belegen Funde aus der Jungsteinzeit, Bronzezeit, Hallstadtzeit und Latenezeit.  50 v. Chr. unterwarfen die Römer Gallien und das Gebiet von Speyer war Grenzgebiet  des röm. Reiches. Während der Völkerwanderung setzten Alamannen, Sueben, Vandalen, Alanen und auch die Hunnen über den Rhein und überrannten Speyer. Nach dem Sieg König Chlodwigs 506 über die Alamannen wird Speyer ein Teil des Frankenreiches. Im 7. Jht. wird Speyer bereits Bischofssitz. 969 stattete Kaiser Otto der Große Speyer mit großen Privilegien aus. Ab 1030 wurde mit dem Bau des Domes unter Kaiser Konrad II. begonnen. In den folgenden Jahrhunderten gab es immer wieder Streit zwischen dem mächtigen Klerus der Stadt und dem Bürgertum. Aufgrund der Bedeutung der Stadt fanden eine ganze Reihe von Kurfürstentagen Hoftagen und Reichstagen statt. 1525 gab es einen großen Bauernaufstand, der sich hauptsächlich schon unter dem Einfluss der Reformation gegen geistl. Obrigkeiten richtete. Mehrere Pestausbrüche im 16. Jht. suchten auch Speyer heim.

Im 3o-jährigen Krieg  (1618-1648) war die wenig verteidigungsfähige Stadt wiederholt Zufluchtsort, Lazarett, Versorgungsstation oder Truppenlager von Spanier, Franzosen, Schweden und kaiserl. Truppen. 1689 wurde die Stadt im pfälzischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen niedergebrannt, nachdem sie vorher zwangsevakuiert worden war. Ausgenommen sollte die Domkirche sein. 1792 wurde Speyer von den franz. Revolutionstruppen erobert und blieb bis zum Ende der napoleonischen Befreiungskriege 1815 bei Frankreich. 1816 wird Speyer Kreishauptstadt des neugegründeten Rheinkreises und kam zum Königreich Bayern, das im Gegenzug das Land Salzburg an Österreich abtreten musste. Seit 1913 stellten die in Speyer ansässigen Pfalz- Flugzeugwerke über 1000 Kampfflugzeuge her.

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 wurde Speyer und das gesamte linke Rheinufer abermals von der franz. Armee besetzt, die erst 1930 wieder abrückte. Während der NS-Zeit wurde in den Novemberpogromen 1938 die alte, geschichtl. wichtige Synagoge niedergebrannt und anschließend völlig abgerissen, über 100 Juden, die nicht mehr fliehen konnten, wurden umgebracht. Am 9. Nov. 2011 wurde die neue Synagoge eingeweiht.1945 wurde die Stadt von den Amerikanern eingenommen, stand dann wieder unter franz. Besatzung bis 1955, erst  um 1990 gab die franz. Armee den Standort Speyer auf.

Das wahrscheinlich wichtigste histor. Bauwerk der Stadt ist der Kaiserdom, dem Hl. Stephan und der Gottesmutter Maria geweiht. Heute ist er eine päpstliche Basilika und die Bischofskirche des Bistums Speyer. Als größte erhaltene romanische Kirche in Europa ist er auch seit 1981 Weltkulturerbe.

Unter der Herrschaft der Salier wurde der mächtige Dom im 11.Jht.erbaut, er ist ein Meisterwerk der romanischen Architektur. 2011 feierte der Dom sein 950-jähriges Weihejubiläum. Als Grabstätte salischer, staufischer und habsburgischer Herrscher gilt der Dom als Symbol des mittelalterlichen Kaisertums. Die Grundsteinlegung erfolgte um 1030 durch den 1.Salierkaiser Konrad II. Nach seinem Tod 1039 wurde er hier in der Dombaustelle beerdigt. Sein Sohn Heinrich III. und Enkel  Heinrich IV. führen den Bau weiter, wobei  letzterer große Teile des Domes wieder abreißen und größer erbauen ließ (wohl nur, um seine Macht zu demonstrieren, nicht der Menschen willen- Speyer hatte damals ca. 600 Einwohner, die Kirche war also viel zu groß). Heinrich IV. kam erst über Umwege zu seiner letzten Ruhe in „seinen“ Kaiserdom. 1104 rebellierte sein Sohn Heinrich V. gegen seinen Vater, es kam zu kriegerischen Auseinandersetzungen, er mußte schließlich abdanken, wurde vorübergehend gefangen gehalten und starb 1106 in Lüttich. Er wurde dort auch im Dom feierlich bestattet, da er aber im Kirchenbann verstorben war, wurde er kurze Zeit später in einer ungeweihten Kapelle außerhalb der Stadt beerdigt.  Wenig später ließ ihn sein Sohn neuerlich exhumieren und nach Speyer überführen, wo er in der noch ungeweihten Afrakapelle des Domes bestattet wurde. Erst einige Jahre (1111) später, nachdem Papst Pascalis II. den Kirchenbann über den Toten aufgehoben hatte, konnte er neben seinen Eltern und Großeltern  in der geweihten Erde bestattet werden. 1125 stirbt Heinrich V. und mit ihm erlischt das salische Kaiserhaus. Auch dazu ein Kuriosum: er wurde in einen alten römischen Sarkophag gebettet, dieser war aber zu kurz, so daß man ihn mit  Backsteinen verlängert hatte.

Die fast  1000-jährige Baugeschichte des Domes ging aber turbulent weiter. 1137 und 1159 zerstörten Brände große Teile des Domes, das Querhaus bekam ein Kreuzrippengewölbe, auch sonstige Gewölbe wurden neu gemacht. 1689 im pfälzischen Erbfolgekrieg wurde der Dom von den Truppen Ludwigs XIV. schwer beschädigt, die Kaisergräber wurden geplündert und der Dom am 31. Mai 1689 in Brand gesetzt. Die Kirche war von den Bewohnern meterhoch mit Möbel und Hausrat angefüllt in der Hoffnung , sie würde von den Franzosen verschont bleiben. Durch die große Hitze barsten die schweren Gewölbe.  Der westl. Teil der Kirche und die Einrichtung wurde zerstört. Im östl. Teil der Kirche konnte man Liturgie feiern, der Rest wurde durch eine Mauer abgetrennt, die Westtürme wurden wegen Einsturzgefahr komplett abgetragen. In der 2. Hälfte des 18. Jhts. wurde sie wieder aufgebaut und bekam ein barockes Westwerk. Kurz nach Fertigstellung wurde der Dom in der Zeit der franz. Revolution (1794) wieder von franz. Revolutionstruppen  schwer beschädigt. Das Gotteshaus wurde profaniert, die Innenausstattung ging verloren. Unter Napoleon diente der Dom als Viehstall und Materiallager. 1806 wollte man den Dom komplett abreißen und als Steinbruch verwenden.

Ab 1818-1821 wurde der Dom wieder instand gesetzt und im Auftrag des bayerischen Königs Ludwig I. wurde zw. 1846- 1854 der ganze Dom mit Fresken im Nazarener Stil ausgemalt. 100 Jahre später 1957-61 wurden diese wieder bis auf wenige entfernt, um den ursprünglichen Raumeindruck wiederherzustellen. Mit der Ausmalung wurde auch der Westbau wieder im neuromanischen Stil erbaut, wie er sich heute präsentiert. 1900 wurden die Königsgräber geöffnet und die Kaisergruft so geschaffen, wie sie sich heute darstellt. Insgesamt sind acht Kaiser und Könige und drei Kaiserinnen im Speyerer Dom beigesetzt .

Der Dom hat heute eine Länge von 134 m, das Langschiff eine Breite von 37 m. Die Westtürme sind 65 m, die Osttürme 71 m hoch und die Höhe des Mittelschiffs beträgt 33 m.  Der Dom ist wirklich ein faszinierendes Bauwerk von außen als auch innen, vorausgesetzt, man nimmt sich wirklich Zeit, die Geschichte dieser Kirche und Stadt nachzulesen. Rasch war für mich der ganze Vormittag vergangen, ehe ich mir im anschließenden Gasthaus „Zum Domnapf“ ein spätes Mittagessen gönnte.

Dom mit neuroman. Westwerk
Langschiff
Blick in die Kuppel
Kaisergräber
Krypta mit Taufbecken
Langschiff von Süden

Quellen: http://test.webmuseen.de/die-salier-speyer.html, http://www.museum.speyer.de/Deutsch/Sammlungsausstellungen/Domschatz.htmhttp://de.wikipedia.org/wiki/Speyer, http://www.dom-speyer.de/daten/domspeyer/seiten/kurzundknapp.html

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