Gedanken bei einer Wanderung im Mühlviertler Hügelland

Am 29. März wanderte bei wunderbarem, warmen Frühlingswetter eine Gruppe rüstiger SeniorInnen von Pabneukirchen zur Jausenstation Asanger. Dort wurden wir gut bewirtet und konnten ein paar nette Stunden verbringen.

Das Anwesen birgt eine Besonderheit, die nur wenigen “Eingeweihten” und Interessierten bekannt ist. Es gibt hier eine der ganz seltenen Fundstellen  von sogenannten Kugelsteinen (Orbiculite). Einiges darüber habe ich in einem früheren Eintrag geschrieben. Sie sind den Graniten zugerechnet und durch unterschiedliche Abkühlgeschwindigkeiten des flüssigen Gesteins entstanden.

sanfte Hügellandschaft

Offensichtlich hatte  die heutige so zahme und leicht bewanderbare Hügellandschaft des Mühlviertels eine bewegte Vergangenheit. Beim Gehen über unsere Hügel wanderten die Gedanken so zurück, wie das alles so entstanden ist. Unser Mühlviertel wird geologisch der böhmischen Masse zugerechnet und ist ein sogenanntes Rumpfgebirge. Begonnen hat die Landschaftsentwicklung bereits in der Erdfrühzeit (Paläozoikum) genauer im Devon (vor 420 Mill. Jahren) mit der variszischen (der Name stammt von den Varisziern, einem bayrischen Volksstamm) Orogenese, dies ist eine Phase der Gebirgsbildung, welche durch Kollision des riesigen Südkontinents Gondwana mit dem Nordkontinent Laurussia verursacht wurde. Durch die Kollisionen entstand der Grosskontinent Pangäa. Quer durch das ganze jetzige Europa und Nordamerika entstand damals ein riesiges Gebirge. Reste davon sind unter anderen das Harzgebirge, Sudeten, Erzgebirge, Frankenwald, Spessart, Vogesen, Schwarzwald, Böhmische Masse, Appalachen in Amerika.

Vor 350-300 Mill. Jahren im Karbon war das Gebirge  etwa 600 km breit und soll zwischen 3000-4000 m hoch gewesen sein. Durch Erosionsvorgänge wurde  es um mehr als die halbe Höhe im Laufe der Zeit abgetragen und teilweise durch jüngere Bewegungen der Erdkruste überformt, sodass es  heute nur mehr ein Mittelgebirge ist.

Geographisch spielte sich das Ganze um den Äquator ab. Das südliche Afrika lag damals am Südpol. Aber auch sonst war die damalige Welt nicht mit unserer zu vergleichen. In dieser Zeit rotierte die Erde noch schneller, ein Tag dauerte etwa 20 stunden, der Sauerstoffgehalt der Luft betrug 32% (163 % des heutigen) und der CO2 Gehalt war 3x so hoch wie heute. In der Zeit des Karbons (carbo = Kohle) entstanden die großen Kohleflötze aus riesigen tropischen Urwäldern. Wechsel von Warm-und Kaltzeiten (Eiszeiten mit Vergletscherungen) veränderten die Meeresspiegel und führten zur Entstehung von Kohlesümpfen an den Küsten aus meterdicken, über 40 m hohen Schuppenbäumen und riesigen Farnen.

Der hohe O2 Gehalt der Luft ermöglichte ein Riesenwachstum von Insekten und Gliedertieren. 2 m lange Tausendfüssler oder Libellen mit einer Flügelspannweite von 75 cm oder Riesenspinnen belebten die Wälder. Bis 6 m große Amphibien gab es, Die Reptilien entwickelten sich ebenfalls allmählich. Die ersten Knochenfische entstehen, die ersten Wirbeltiere  entwickeln sich, noch gibt es keine Saurier, Vögel, Säugetiere oder gar Menschen. Auch die Alpen und das Himalajagebirge sind  noch nicht entstanden. Nach dem Zeitalter des Karbon, ca. vor 300 Mill. Jahren ist diese Gebirgsbildung im Wesentlichen abgeschlossen und die Verwitterung und Abtragung bis zur heutigen Form beginnt.

Die aus dieser Periode stammenden,  beim Asangeranwesen gefundenen granitenen  Kugelsteine  sind heute noch “stumme” Zeugen einer langen Geschichte.

Kugelsteine

Quellen: www.mineralienatlas.de, www.evolution-mensch.de, www.de.wikipedia.org

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