Ein Besuch der Stadt Worms und des Kaiserdoms St. Peter

Am 29. September hatte ich Gelegenheit, die geschichtsträchtige Stadt Worms zu besuchen. Die über 2000-jährige Stadt am li. Rheinufer gelegen, gehört neben Augsburg, Trier, Kempten und Regensburg zu den ältesten Städten in Deutschland.

Bekannt ist jedem Worms als Nibelungen-und Lutherstadt und weiters durch seinen Dom,  der neben dem Mainzer und Speyerer Dom einer der drei romanischen Kaiserdome ist. Worms liegt am linken Ufer des Oberheins ca. 25 km nördl. von Ludwigshafen. Heute hat es über 80 000 Einwohner, Tendenz steigend (im Jahre 1500 waren es 6 000, 1667 nach dem 30-Jähr. Krieg 3 000, um 1900 bereits 40 000).

Die erste Besiedlung läßt sich  auf die Jungsteinzeit  (5000 Jahre v. Chr.) zurückdatieren. Gräberfunde vom dortigen Adlerberg vom Anfang des vorigen Jhts. belegen das und gaben der „Adlerbergkultur“ (2300-1800 v. Chr., Bronzezeit) den Namen. Im letzten vorchristlichen Jahrtausend besiedelten das Gebiet Kelten, später errichteten die Römer hier ein Kastell. Bereits im 4. Jht. wurde Worms Bischofsitz. Zur Zeit der Völkerwanderung war es Hauptstadt des Burgunderreiches, das 437 von den Hunnen vernichtet wurde. Diese Kämpfe sind auch die geschichtl. Grundlage des Nibelungenliedes.

Unter den Karolingern war Worms ein Machtzentrum, da seine Bischöfe im 8. u. 9. Jht. dem Königshofe nahe standen. Worms war z. B. Wintersitz Karls des Großen im 9. Jht.. Seine Königspfalz lag unmittelbar nördl. des Doms, wo er auch 783 seine Gemahlin Fastrada heiratete. 961 ließ hier Otto der Große seinen siebenjährigen Sohn zum Mitkönig erheben. 976 erhielt hier Otto von Worms das neugeschaffene Herzogtum Kärnten als Lehen, das vorher ein Teil von Bayern war. Die größte Blüte  der Stadt kam unter den Saliern (Zollfreiheit). 1076 erklärte hier auf dem Reichstag König Heinrich IV. Papst Gregor VII.  für abgesetzt. Er wurde umgehend mit dem Kirchenbann belegt, was in der Folge wieder zum berühmten Gang nach Canossa führte. Im Mittelalter fanden in Worms über 100 Reichstage statt. Berühmt wurde der Reichstag von 1521, auf dem Martin Luther gegenüber dem jungen Kaiser Karl V. seine in Wittemberg veröffentlichten 95 Thesen verteidigte. Bekanntlich wurde daraufhin die Reichsacht über Luther verhängt. Worms wurde in der Folge ein Zentrum der Reformation. Katholiken waren dann bis 1792 vom Stadtrat ausgeschlossen, der Bischof und die Geistlichen behielten aber Sonderrechte und den Dom. Wormsist bis heute eine protestantische Stadt.

1689 zerstörten im Pfälzischen Erbfolgekrieg die Truppen König Ludwig XIV. die Stadt. Von 1792-1814 gehörte Worms zur Ersten Französischen Republik und zum Ersten Kaiserreich, ab 1815 zum Großherzogtum Hessen, seit 1946 gehört Worms zum Regierungsbezirk Rheinhessen im neugegründeten Bundesland Rheinland-Pfalz.

Durch 2 alliierte Bombenangriffe (21. 2. und 18.3. 1945) wurde die Stadt fast völlig zerstört (334 Flugzeuge warfen innerhalb weniger Minuten 1100 Tonnen Bomben über der Innenstadt ab). Es gab viele Tote, 60% der Bevölkerung war obdachlos, 6490 Gebäude waren schwerbeschädigt oder zerstört, auch der Dom. Heute ist die Innenstadt größtenteils in modernem Stil wieder aufgebaut.

Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt zählt zweifelsohne der Dom St. Peter in der Altstadt, eines der wichtigsten Zeugnisse des romanischen Baustils in Deutschland. Die Baugeschichte ist schier unendlich lang mit vielen Höhen und Tiefen.

Nach der röm. Christianisierung wurde an der Stelle des heutigen Doms eine röm. Basilika erbaut. In der karolingischen Zeit war hier eine Bischofskirche. Bischof Burchard I. (1000-1025) gilt als Erneuerer der Stadt wegen seiner Bautätigkeit. 1005 ließ er einen neuen Dom bauen, der fast den gleichen Größenausmaße und Grundriss wie der heutige Dom hatte. 1018 wurde dieser Dom geweiht. Kurz darnach brach der Westbau, der noch mehrfach Probleme machen sollte, wegen ungünstigem Untergrund zusammen. Der Schaden wurde in den nächsten Jahren behoben und die Kirche 1022 wieder geweiht. In der Folge gab es aber immer Probleme mit der Statik, so daß bereits 1125 mit dem kompletten Neubau des heutigen staufischen Domes im Stil der Hoch- und Spätromanik begonnen wurde. Fertiggestellt und geweiht wurde der Dom 1181. Stilistisch lehnte man sich an den Dom zu Speyer. In der Folge gab es Änderungen am Südportal und Anbauten von Kapellen im gotischen Stil. 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde die Stadt und der Dom schwer verwüstet. Der Dom brannte innen aus, die mittelalterliche Einrichtung wurde zerstört, die Gewölbe sind zerborsten. Im frühen 18. Jht. Wurden Schäden beseitigt und der Dom innen im barocken Stil ausgestattet. Der Hochaltar stammt von Balthasar Neumann und stellt einen Höhepunkt der Barockkunst dar.

1801 wurde das Bistum aufgelöst und im Rahmen kirchlicher Neuordnung dem Bistum Mainz zugeordnet. Der Dom wurde zu einer Propsteikirche (1862), 1925 wurde er von Papst Pius XI. zur „Basilica Minor“ erhoben.

In der Folge waren immer wieder Bausubstanzmängel aufgetreten, der Westchor war sogar einsturzgefährdet. Zwischen 1901-1906 wurde der gesamte baufällige Westchor abgerissen und originalgetreu mit dem historischen Steinmaterial wieder aufgebaut. Beim Fliegerangriff durch die Briten am 21. Februar 1945 wurde das Langhausdach von Brandbomben getroffen und brannte ab. Die Kriegsschäden wurden beseitigt. Neuerliche Bauschäden im Bereich des Westchores wurde 2002 restauriert. Auch der Hochaltar wurde kürzlich restauriert und erstrahlt in neuem Glanz. Momentan ist die Nordseite des Langhauses eingerüstet und wird außen renoviert.

Als „Nichtkunstsachverständiger“ folgte ich zuerst rundum außen dem ausführlichen Kirchenführer, ehe ich mir im Innern die vielen Sehenswürdigkeiten entsprechend den Unterlagen suchte. Sie alle zu beschreiben ist nicht möglich. Es war eine sehr interessante Lektüre und ohne es zu merken habe ich einen ½ Tag um und in der Kirche verbracht. Ein Besuch ist jedem etwas an Kultur und Kunst Interessierten zu empfehlen.

Noch ein anderes kurioses Detail aus Worms, das mir an Weinen Interessierten, aufgefallen ist: in Worms-Pfeddersheim liegt die älteste, heute noch bewirtschaftete Riesling-Lage. Die Pfeddersheimer-Riesling Urkunde vom 11.11. 1511, heute im Stadtarchiv von Worms aufbewahrt, beschreibt schon vor 500 Jahren das heute noch existierende Weingut. Die Winzer von Worms feiern dieses Jubiläum heuer auch gebührend.

Westchor

Detail

Südfront

Langschiff

Ostchor mit Hochaltar

Quellen: Baedeker Reiseführer Deutschland; Dom St. Peter Worms, Verlag Schnell& Steiner GMBH Regensburg 2011, http://worms.de/extern/weinstadt-worms/aktuelles/riesling_urkunde.php, http://de.wikipedia.org/wiki/Worms,

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