Goldene Hochzeit

 

 

  Hr . und Fr. Mühlehner feierten in diesen Tagen das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Aus diesem Anlass fand sich am Freitag 11. 6. in ihrem Hause in Oberdörfl 13 eine größere Gratulantenschar ein. In meiner Funktion als Vorstandsmitglied des Seniorenbundes, Bad Kreuzen war ich auch unter der Gratulantenschar. Nach dem “hochoffiziellen” Gratulieren lud die Familie Mühlehner zum Mittagessen. Dabei gab es natürlich auch Gesprächstoff über Ereignisse der 50 Jahre, die beide als Ehepaar erlebten.

Für mich ein Anlass, ein wenig nachzuschauen, was 196o geschah: im persönlichen Umfeld, in Bad Kreuzen, in Österreich und auf der Welt.

Ich beendete in diesen Tagen gerade die 2. Gymnasialklasse des Kollegium Petrinum. Soweit ich mich erinnere, standen in den Hauptfächern (man beachte die Reihenfolge!!): Latein, Deutsch u. Mathematik im Zeugnis ein “sehr gut” oder “gut”. Meine Geschwister gingen alle noch in die Volksschule und am Könighofergut gab es noch keinen Traktor und kein Auto, lediglich ein altes Damenrad (Steyr-Waffenrad) meist mit einem Patschen und ein HMW-Moped, mit dem wir älteren Buben schon fahren durften (solange noch Benzin im Tank war). Es gab keinen Fernseher, aber ein Radio, das lediglich zu Nachrichten und Wettervorhersage eingeschaltet wurde ( Ausnahmen:am Sonntagnachmittags- das”Wunschkonzert von Radio OÖ” und für uns Jungen am Samstagabend “Tanzmusik auf Bestellung”).

In Bad Kreuzen war Ferdinand Riegler (Starzhofer) Bürgermeister, Kan. Gütlinger Pfarrer und Franz Winglmayr Direktor der Volksschule ( eine Hauptschule gab es noch nicht). Dafür gab es im Ort einen Gendarmerieposten,ein Postamt, 4 Lebensmittelgeschäfte, 3 Kaufhäuser, 2 Tankstellen, 2 Fleischhauereien, 2 Trafiken, 6 Gasthäuser und 1 Cafe mit Musikbox und kleiner Tanzdiele.

In Österreich ist Adolf Schärf Bundespräsident, Julius Raab (ÖVP) Bundeskanzler, Bruno Pittermann Vizekanzler und Bruno Kreisky Außenminister (beide SPÖ).  In Südtirol gab es mehrere Bombenanschläge und Verhaftungen. Die Österreicher brauchten zeitweise bei der Einreise nach Italien ein Visum!! Ö. bringt das Südtirolproblem vor die UNO. Die Grenzen zur Tschechoslowakei, Ungarn und Jugoslawien sind in jeder Richtung dicht und entwickeln sich zum “Eisernen Vorhang”. Das Burgenland wird eigene Diözese. Im August 1960  gibt es in Ö. 44 320 Arbeitslose , 1961 knapp 35 000 (und heute!!!!). Seit einem Jahr gibt es die 45 Stundenarbeitswoche. Der sowjetische Ministerpräsident Nikita Chruschtschow macht in der 1. Juliwoche eine Rundreise durch Österreich- ich erinnere mich noch, wie ich auch am Donaukai in Grein mit zwei Fähnchen (ein öst. rotweißrotes u. ein sowj. rotes mit Hammer und Sichel ) schwingend den hohen Gast, als er im Bus langsam vorbeifuhr, sehen konnte.

In Ö. gab es insgesamt 127 402 Fernsehteilnehmer (auch im Petrinum gab es 2 oder 3 Geräte, natürl. nur Schwarz-Weiß mit vielen Flimmerepisoden). Bei den 8. Olympischen Winterspielen in Squaw Valley (USA) errang Österreich 1 Gold-, 2 Silber- u. 3 Bronzemedaillen. bei den 17. Olymp. Sommerspielen in Rom gab es für Öst.  je 1 Gold- und Silbermedaille.

Was tat sich 1960 noch auf der Welt?

In Westdeutschland war Konrad Adenauer Kanzler, der amerik. Präsident war Dwight Eisenhower. Senator John F. Kennedy und Richard Nixon waren die Kanditaen für das Präsidentenamt 1961. Die Berliner Mauer steht noch nicht, Bau 1961. 17 afrikanische Staaten wurden1960 unabhängig und somit vom weißen Kolonialismus befreit. Schwere Kämpfe in Algerien, da ihm von Seiten Frankreichs die Unabhängigkeit verweigert wird. In Nordvietnam wird Ho Chi Minh als Präsident gewählt. Brasilien baut seine Hauptstadt Brasilia nach Reißbrettplänen. Am 1. Mai schießen die sowjet. Streitkräfte ein US-Aufklärungsflugzeug über Swerdlowsk ab (Kalter Krieg). Jack Brabham war Formel1 Weltmeister und Jacques Piccard erreicht mit einem Tauchboot eine Rekordtiefe von 10 916 m, die bisher meines Wissens nicht übertroffen wurde. Der Dhaulagiri (7. höchster Berg der Welt) wird erstmals bestiegen. Der Russe Juri Gargarin war der 1. Mensch im All. In Deutschland erobert der Ford Taunus 17 M die Strassen. Der neue 1500 VW Käfer (34 PS) beschleunigt in 35 Sek.(!!) von 0-100 km/h. In Amerika kommt die Antibabypille auf den Markt und erfreut sich rasch großer Beliebtheit. 1957 bzw. 1958 kommt der 1. Defibrillator und Herzschrittmacher zur Anwendung. Liverpool wird von einer “Käferplage” heimgesucht: die Beatles gründen sich und schreiben jetzt Rockgeschichte. Die beliebtesten Namen 1960 waren: Sabine, Petra, Andrea, Susanne, Gabi, Birgit; Peter Michael, Klaus, Thomas, Wolfgang, Andreas und Jürgen. 

Dies alles nahm ich als damals 13- Jähriger schon bewußt wahr , wie ich mich erinnere. Heute ist es für mich die sogenannte “gute alte Zeit”.

Oberarzt Dr. Ferenc Raduly….(Ein lieber Kollege geht in die Praxis)

Am Freitag 25.06.10 war ich von einem ganz lieben Kollegen aus meiner aktiven Zeit anläßlich seines Ausscheidens aus dem Krankenhaus zu einer Abschiedsfeier geladen. Um 19.00 Uhr lud OA Dr. Ferenc Raduly seinen Chef und Abteilungsvorstand, die Oberärzte und Assistenten der internen Abteilung ins “Alte Schiffsmeisterhaus” in Ardagger Markt. Der Wirt, Herr Tofferer, hat für die Anwesenden ein sehr anspruchsvolles und reichhaltiges Buffet zusammengestellt mit Schwerpunkt Meeresfrüchte und Fisch. Dazu gab es auch die entsprechenden Weinsorten, die uns (zumindest den in “Dingen des Weines” Unkundigen ,wozu auch ich mich zähle) der Chef des Hauses servierte mit den nötigen fachlichen Erklärungen. Natürlich durfte auch eine süße Nachspeise nicht fehlen.

Ferenc erläuterte uns seinen Entschluß, dem KH den Rücken zu kehren und sich in Zukunft nur seiner Praxis zu widmen, er bedankte sich beim Primar und den Anwesenden für die gute Zusammenarbeit im Team. Bei lockeren Plaudereien unter KollegenInnen, wo auch Lustiges und Kurioses nicht zu kurz kam, verging die Zeit im Nu.

Ich persönlich kenne Ferenc schon über zehn Jahre von seiner Turnuszeit her, zeitweise war ich auch sein unmittelbarer Vorgesetzter. Er war ein sehr wissbegieriger Kollege, der immer sowohl seine theoretischen als auch praktischen Kenntnisse zu vervollkommnen suchte. Ich konnte mich jederzeit zu 100% auf ihn verlassen, seine Hilfsbereitschaft wurde auch im Team sehr geschätzt, die jüngeren Kollegen konnten viel von ihm lernen. Stets trat er seinen Patienten mit Achtung entgegen und behandelte sie nach den Regeln der Kunst, wobei immer auch Wärme und Menschlichkeit bei ihm zu spüren war.

Ich wünsche ihm für seine neue medizinische Aufgabe alles Gute, viel Erfolg und für seine künftigen Patienten viel Geduld und immer die richtigen Entscheidungen!