“Zeugen alter Kultur” … 6. Radwanderung 2010

 

unsere Gruppe

  Die Radlergruppe des SB von BK  (12 Teilnehmer) fuhr am 28. 07. 2010 mit PKWs nach Mauthausen. Am alten Ziegeleigelände wurde geparkt und wir radelten erst durch den Ort Mauthausen Richtung Langenstein.

  Mauthausen hat eine alte Geschichte. Funde aus der Jungsteinzeit beweisen ein altes Siedlungsgebiet. Es liegt am Schnittpunkt von 2 Handelswegen: durch eine Furt führte die uralte Salz-und Eisenstraße über die Donau von Süden nach Norden Richtung des späteren Böhmen. Von Westen nach Osten verlief schon zur Römerzeit die Limesstraße entlang der röm. Reichsgrenze, bzw. der Schiffsverkehr auf der Donau. Die Babenberger gründeten Ende des 10. Jhts. eine Mautstelle. 1192 wurde die Ansiedlung erstmals als “Muthusin” erwähnt. Als Warenumschlagplatz brachte es der Ort zu einer Blüte. 1446 stattete Kaiser Friedrich III. den Markt mit weiteren Privilegien aus. Kirchlich gehörte es zur Pfarre Ried,zur Diözese Passau, ab 1122 gehörte es zum Stift St. Florian. 1424 zerstören die Hussiten den Markt. 1544 bis 1599 gibt es protestantische Gottesdienste in der Heinrichskirche, ab 1578 wieder katholische Messen in der Nikolauskirche.

  1490 bekam Laßla Prager die Herrschaft, der auf der kleinen Donauinsel das Schloß Pragstein baute. 1505 wurde etwas flussaufwärts die erste stabile Brücke über die Donau gebaut.

  Die Bauernkriege, der Dreißigjährige Krieg und die Türkeneinfälle des 16. u. 17. Jhts brachten auch Zerstörungen des Ortes mit sich. Geplündert wurde der Ort auch mehrmals von den Franzosen wd. der Napoleonischen Kriege.

  Die “Fliegende Brücke” ein Fährschiff mit Verankerung am Schloss Pragstein wurde 1821 in Betrieb genommen, die Eisenbahnbrücke 1871/72 errichtet. Im 19. Jht. nahm die Mauthausener Steinindustrie ihren Aufschwung . Bis 1200 Steinarbeiter waren beschäftigt, die Steine wurden zumeist per Schiff weitertransportiert.

  Im Ersten Weltkrieg befand sich im Osten des Ortes ein Kriegsgefangenenlager (40 000 Mann), 9 000 starben und ein Soldatenfriedhof erinnert an sie.

  Zwischen 1938 und 1945 befand sich im Westen des Gemeindegebietes das KZ, wo ca. 200 ooo Menschen interniert waren und ca. 110 000 unter unmenschlichen Haft-u. Arbeitsbedingungen verstarben. Ungefähr 4 500 Juden wurden vergast.

  Die Donau machte mit großen Hochwässern dem Ort wiederholt zu schaffen, die letzten 1954 und 2002. Seit 2010 gibt es einen Hochwasserschutz aus Beton- Stahlkonstruktion, der in wenigen Stunden errichtet werden kann.

  Über Langenstein, Gusen und Abwinden radelten wir zur Donau, die wir auf der Kraftwerksbrücke überquerten.

  Das Kraftwerk Abwinden-Asten ist ein Laufkraftwerk in der Donau mit 9 Kaplan-Rohrturbinen und 9 Generatoren. Das Maschinenhaus liegt am südl. Donauufer. Es leistet  996 Mill. kWh bei einer Fallhöhe von 9,3 m. Eigentümer ist der Verbund. Gebaut wurde es zwischen 1976-1979. Am rechten Stauufer entwickelte sich ein Freizeitareal. Durch die rückstaudämme entlang der Donau und der Traun wurde der Linzer bereich hochwasserfrei, auch der Linzer Hafen profitierte, er ist auch bei Niederwasser voll schiffbar.

  Nach der Überquerung der Donau rechts auf den Kulturradweg durch die Au und vorbei am Ausee.

  Der Hohenlohe AuSee- Asten, gegründet 1985 ist ein 23 ha großer Badesee im Privatbesitz, inmitten der Donauauen gelegen mit abwechslungsreicher und naturnaher Gestaltung der Ufer-und Liegeflächen und bekannt guter Wasserqualität. Sehen konnten wir den Wasserschilift, Kinderwasserrutsche, 5 m Sprungturm und die Trampolinanlage.

  Als nächstes erreichten wir Raffelstetten. Den Wenigsten ist die Raffelstettner Zollordnung bekannt. Sie wurde zwischen 903 und 906  im Auftrag des Frankenkönigs verfasst und ist das älteste erhaltene Wirtschaftsdokument Österreichs. In dem Dokument wurden die Rechte im Donauverkehr festgelegt

  Nach Unterquerung der Westbahn erreichten wir den Pichlinger See heute ein Naherholungsgebiet im Osten von Linz. Er besitzt eine Wasserfläche von 31 ha, im Schnitt 4 m tief (max. 12 m) und wird vom Grundwasser gespeist.   Bis zu 250 000 Badegäste tummeln sich im Sommer hier aber auch wd. der anderen Jahreszeiten ist er bei den verschiedensten Sportarten beliebt. Entstanden ist er durch Schotterabbau zum Bau der Hermann-Göring-Werke 1938 und später zum Bau der A1, nachdem sich die Schottergrube mit Grundwasser gefüllt hatte. Seit 1947 wird er als Badesee benützt. In den 80-ger und 90-ger Jahren war er von Algen überwuchert, derzeit hat man dasProblem aber im Griff.

  Unsere Route ging nach Überquerung der B1 und Unterfahrung der A1 weiter durch die Ortschaft Tödling und Taunleiten. Hier fallen besonders die riesigen Bauerngehöfte, meist Vierkanter, auf und zeugen von Reichtum der der Besitzer. Nach einigen km. kamen wir nach St. Florian (das Stift besuchten wir diesmal nicht), bogen li. ab und erreichten nach Überquerung der Bundesstraße den Sumerauer Hof (heute ein bäuerl. Freilichtmuseum).

  NachSamesleiten und vorbei an Schloss Tillysburg weiter Richtung Enns auf wenig befahrener Straße. Die Durchfahrt durch Enns mit der Gruppe war durch die gute Beschilderung des Radweges kein Problem (wir erzeugten keinen Verkehrsstau trotz der Mittagszeit)! Über Enns, die älteste Stadt Österreichs (1212 Stadtrecht verliehen vom Babenbergerherzog Leopold VI.) will ich in einem separaten Blog berichten.

  Die Beschilderung “Donauradfähre” führte uns nach Enghagen, wo wir beim Heurigenwirt Hammerl ein sehr gutes und  ausgiebiges Mittagessen bekamen. Gestärkt mit Speis und Trank bewältigten wir alle problemlos die letzten paar km bis zur Fähre, die uns nach Mauthausen übersetzte, wo unsere PKWs abgestellt waren. Nach ca. 45 km war die schöne und abwechslungsreiche Tour vorbei an Zeugen alter Kultur zu Ende.

Quellen: Radrundrouten im bayrisch-oberösterreichischen Donautal, Wikipedia, Chr. Huemer, Kleindel;Österreich Daten zur Geschichte und Kultur

Erwin, einer unser Treuesten
Hohenlohe Ausee

Schloss Tillysburg
Mittagsrast in Enghagen

Glurns, die zweitkleinste Stadt der Alpen

Glurns, Tauferer Tor

  Glurns hat etwa 885 Einwohner und ist somit eine der kleinsten Städte der Alpen (Rattenberg in Nordtirol ist die kleinste). Bei herrl. Sommerwetter konnten wir sie im Rahmen unserer Südtirolfahrt besichtigen. Glurns ist eine von acht Städten in Südtirol und die einzige im Vinschgau.

  Die Stadt liegt am Knotenpunkt von 3 Alpenpässen: dem Reschenpass nach Nordtirol, dem Ofenpass ins Schweizer Engadin und dem Stilfserjocg. Das Schöne an der Stadt sind die vollständig erhaltenen Stadtmauern, die sie in eine Inner-und Außerstadt trennen.

  Kurz die Geschichte der Stadt:

  Zur Römerzeit verlief die Via Claudia Augusta hier und kreuzte mit dem Handelsweg in die Schweiz. 1163 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. 1227 wurde der Ort selbstständige Pfarre, war dem Bischof von Chur unterstellt. 1291 bekam Glurns das Marktrecht und wurde dadurch rasch bekannt und reich. Die Landesfürsten von Tirol förderten die Ansiedlung an der Grenze zur Schweiz sehr intensiv z.B. durch 10-jährige Steuerbefreiung (sollte man heute auch in unseren strukturschwachen Gebieten machen – unsere Politiker sollten halt mehr Geschichtsbücher lesen!). Entsprechend dem Niederlagsrecht waren durchreisende Händler verpflichtet, ihre Waren umzupacken und anzubieten (wäre vielleicht auch für heutzutage ein Model). Gehandelt wurde hauptsächlich mit Salz aus Hall und Südfrüchten, Wein und Gewürze aus Oberitalien.

  1233 wurde Glurns Gerichtssitz und war zuständig für den gesamten Vinschgau. 1499 wurde ein kaiserliches Heer nahe Glurns vernichtend geschlagen und die Stadt anschließend geplündert, niedergebrannt und an der Bevölkerung ein Massaker veranstaltet. Im Zuge des Wiederaufbaues wurden die noch heute bestehenden Stadtmauern und Türme errichtet und bis 1580 fertiggestellt. 1528 verlieh der spätere Kaiser Ferdinand I. das Stadtwappen.

Es folgte der wirtschaftl. Niedergang der Stadt, da sich die Handelsrouten änderten (der Brenner wurde passierbar). Während des Dreißigjährigen Krieges wurde auch Glurns von Söldnertruppen heimgesucht und durch sie der Flecktyphus eingeschleppt. Großbrände wüteten 1664 und 1732, wo an die 90 Häuser niederbrannten. Auch unter Hochwässer der Etsch hatte die Stadt wiederholt zu leiden, am schlimmsten war die Überschwemmung 1855 (am östl. Stadttor ist die Hochwassermarke zu sehen). Während der Napoleonischen Kriege  drangen 1799 französische Truppen in die unbewachte Stadt, plünderten, zerstörten und massakrierten die Bewohner.

  Im 19.Jht. war aus der ehemaligen Handelsstadt eine verarmte Kleinstadt mit vorwiegend Kleinbauern geworden, die ihre Einwohner nicht mehr ernähren konnte. Die Leute fristeten ihr Leben großteils als Karrner (Wanderhändler), unzählige Kinder mußten als Schwabenkinder jeweils im Frühjahr in die Schweiz oder nach Deutschland, um dort für geringe Entlohnung zu arbeiten. Der Erste Weltkrieg beendete dies.

  Nach dem ersten Weltkrieg kam Glurns mit Südtirol zu Italien, wirtschaftl. änderte sich dadurch aber nichts, erst seit den 70-ger Jahren begann die Revitalisierung der Stadt und der einsetzende Fremdenverkehr bringt wieder mehr Wohlstand.

Sehenswertes:

 Die vollständig erhaltene Stadtmauer mit den 2 Tortürmen (das Tauferer Tor im Westen und das Malser Stadttor im Osten). Innerhalb gibt es wirklich malerische Gäßchen und ein kleiner Stadtplatz, umgeben von schön herausgeputzten alten Bürgerhäusern. Am Platz wurde gerade Markt gehalten und Produkte der Umgebung angeboten. Auch Tanz und Musik wurde geboten.

  Wenige Meter außerhalb der Stadtmauer am Tauferer Tor steht die kath. Kirche St. Pankratius, ein spätgotischer Bau (1481 erbaut) mit barockem Zwiebelturm. Ein Fresko, 1496 datiert, zeigt das Jüngste Gericht.

  Nach einem ausgiebigen Rundgang durch durch die malerische Altstadt und einer kleinen Erfrischung nimmt uns der Bus wieder auf.

Quelle: teilw. Wikipedia

 

am Stadtplatz

Stadtmauer
unser Reiseleiter
Laubengasse

Kirche St. Pankratius
Fresko vom Jüngsten Gericht

Ausflug ins Münstertal – Müstair (Schweiz)

 

Am 2. Tag (17.07) unserer Südtirolreise besuchen wir am Vormittag die Klosterkirche St. Johann im Münstertal  (Val Müstair) einige km nach der ital.-schweizerischen Grenze gelegen (im Schweizer Kanton Graubünden). Das Benediktinerinnenkloster St. Johann ist eine sehr gut erhaltene mittelalterliche Klosteranlage aus der Karolingerzeit. Es ist kulturhistorisch so bedeutsam, dass es von der UNESCO 1983 in die Liste Weltkulturerbe aufgenommen wurde.

Am Engang zum Friedhof befindet sich die Kreuzkapelle, die Kleeblattform ist im 8. Jht. entstanden, auffällig die rund bogenartigen Blendnischen. Aus den tragenden Bodenbalken des Obergeschoßes wurden Jahresbestimmungen durchgeführt, die das Alter der Balken beweisen, sie wurden 775 gefällt.

Kurze Geschichte des Klosters

Die Klostergründung geht auf Karl dem Großen (reg. 768-814) zurück. Bereits ein Jahr nach der Eroberung der Lombardei und Krönung des Frankenherrschers zum König der Langobarden sind die gefällten Bäume datiert. das Kloster wurde einerseits aus strategischen Gründen gegründet zur Stützung des Reiches, anderseits sollte es auch ein Glaubenszentrum zur Festigung des Glaubens der einheimischen Bevölkerung sein und es sollte auch ein Zentrum für Kunst und Kultur sein,zudem hatte es die Aufgabe, Passreisenden Herberge zu bieten. Es diente nicht zuletzt dem Bischof von Chur als Zweitresidenz südl. der Alpen und als Verwaltungszentrum seiner weltl. Macht. Nach einer dynamischen Anfangszeit (um 850 gab es dort 45 Mönche) nahm die Anzahl der Mönche stetig ab und um 1150 war die Mönchsgemeinschaft von Müstair verschwunden, wahrscheinlich zugunsten des neugegründeten Klosters Marienberg im Vinschgau.

Seither wird Müstair von Benediktinerinnen bewohnt. 1499 haben Besatzungstruppen des österreichischen Königs Maximilian I. das Kloster niedergebrannt. Tatkräftige Äbtissinnen (Angelina Planta reg. 1478-1509 und Barbara von Castelmur reg . 1510-1533) bauten das Kloster wieder auf. Auseinandersetzungen gab es in der Reformation (1528). Im Gegensatz zu den anderen Orten im Münstertal blieben Müstair und Taufers katholisch. 1799 wd. des zweiten Koalitionskrieges wird das Kloster von den Franzosen besetzt und geplündert. 1810 entging die Abtei der Aufhebung, wurde aber zu einem Priorat degradiert, die Leitung hat heute das Kloster Disentis.

Wiederentdeckung und Restaurierung

1906 publizierten zwei junge Kunsthistoriker eine Monographie über das Kloster und weckten das Interesse von Fachleuten für Müstair, speziell für die karolingischen Wandmalereien in der Kirche. 1908 wurden die Übermalungen (spätere Fresken) abgetragen und nach Zürich übertragen. Zwischen 1947 und 1951 wird durch einen Restaurator und mit Hilfe der Klosterfrauen der ganze Wandmalereizyklus in der Klosterkirche freigelegt. Seit 1969 wird dauernd restauriert. Auch bei unserem Besuch waren Teile eingerüstet und die Heiligkreuzkapelle konnten wir nicht besuchen.

Vom karolingischen Kloster (775) steht heute nur mehr die Heiligkreuzkapelle und die Klosterkirche. Die Kirche war ursprünglich ein hoher ungeteilter Saal mit flacher Decke. Heute sieht man ein spätgotisches Netzrippengewölbe aus 1492 (ca. ein Meter unterhalb der ursprünglichen Flachdecke eingezogen) verziert mit den Wappen des Reiches. Die Kirche besteht aus einem Raum, an der Stirnfront 3 Apsiden (Altarräume). Die gesamten Innenwände sind mit den weltberühmten Fresken  aus der Karolingerzeit ausgemalt in Form eines Bilderzyklus mit Darstellungen aus dem alten und neuem Testament und der frühen Kirchengeschichte. Datiert werden die Wandmalereien in die erste Hälfte des 9. Jht. Viele der Bilder sind nicht mehr vorhanden, die ursprünglichen Fresken wurden mehrmals übermalt (um 1200, im 15.Jht., 1878). Durch Umbauten gingen ebenfalls etliche der karolingischen Fresken verloren, andere dafür sind sehr farbenprächtig. Es ist eine Meisterleistung der Restauratoren gewesen! In der Mittelapsis z. B. ist das Martyrium Johannes des Täufers dargestellt (romanisches Fresko). In der Nordwand später eingesetzt, findet sich ein roman. Hochrelief aus dem 10.Jht. mit der Darstellung der Taufe Christi. Zwischen der Mittel-u. Südapsis steht unter einem hohen Baldachin die Stuckfigur Karls des Großen, datiert vom 9.Jht. bis nach 1165, dem Jahr der Heiligsprechung Karls.

Es kommt schon eine Ergriffenheit auf, wenn man in einer Kirche steht, die 1200 Jahre alt ist. Spontan hat unsere Gruppe angefangen, einige Lieder zu singen. Zusammen mit der wunderbaren Akustik und inmitten eines uralten, ehrwürdigen Raumes waren wir alle innerlich bewegt und konnten gleichsam Gemeinschaft spüren.

Es gäbe noch vieles zu sehen in dem altehrwürdigen Kloster wie Turm, Refektorium, Konventstube, verschiedene Kapellen usw. Aus Zeitgründen wartete der Bus aber schon vor dem Eingang. Für mich persönlich war dieser Besuch zweifelsohne das “Highligth” der ganzen Reise.

Müstair
Plantaturm
Apsis

Mittelapsis
li Apsis
Stuckfigur Karl d. Große
Taufe Christi

Decke, Netzrippengewölbe

Marienberg, Europas höchstgelegene Benediktinerabtei

 

 

  Hoch über dem malerischen Dorf  Burgeis im Vinschgau, wenige km nach dem Reschensee, liegt inmitten von Felsen und Wäldern das Benediktinerkloster Marienberg auf 1340 m. Der weiße festungsartige Bau in einer Hangmulde entstand um 1150 und war eine Stiftung der Grafen von Tarasp aus dem Engadin. Die ersten Mönche kamen vom Benediktinerkloster Ottobeuren  in Bayern.

 Hier leben seit über 800 Jahren Mönche nach der Regel des Hl. Benedikt. 1724 gründeten die Mönche in Meran ein Humanistisches Gymnasium, im 20. Jht. befand sich eine zeitlang auf Marienberg ein privates Gymnasium, bis es 1928 schließen musste (Mussolini Diktatur). Derzeit sind es zwölf Mönche, die hauptsächlich in der Seelsorge und in Bildungseinrichtungen tätig sind.

In der romanischen Krypta (1156 geweiht) finden sich ganz berühmte Fresken (um 1170 gemalt) mit besonderer Farbenpracht und Leuchtkraft. Sie wurden 1980 bei der Entfernung von Grufteinbauten entdeckt und zeigen den thronenden Christus von Engeln umgeben.

Die Krypta ist leider nur öffentlich zum Vespergebet abends zugänglich, sodass wir sie aus zeitl. Gründen nicht sehen konnten. Ich finde es sehr sehr schade! Sehen konnten wir jedoch die romanisch- barocke Klosterkirche. Durch ein romanisches Säulenportal aus dem 12. Jht. betritt man den beeindruckenden Innenraum der Klosterkirche in barockem Stil mit aufwändigen Stuckornamenten, vielen Schnitzfiguren, einer reich verzierten Kanzel und einer Orgel im neuromanischen Stil.  Das Fresko neben dem Portal stammt aus dem 14. Jht.

Der Abstecher unserer Reise nach Marienfeld hat sich trotzalledem gelohnt. Dieses Kloster ist einerseits doch in seiner Bauweise grundverschieden zu unseren heimischen Klöstern, andererseits ist es uns doch wieder vertraut durch unsere alte gemeinsame christlich abendländische Kultur. Sicherlich ist es sinnvoll und notwendig, alle Anstrengungen zu unternehmen, diese Wurzeln unserer Kultur der Nachwelt zu erhalten.

 

roman. Kirchenportal
roman. Säulenportal mit Fresken aus 14. Jht.
Klosterkirche innen

 

Klosterhof
Rast im Klosterhof
Blick vom Kloster auf Burgais

Reschenpass und Reschensee

  

    Wenige km nach Nauders  verließen wir Österreich Richtung Italien und gelangten auf den Reschenpass (1504 m). Die Passhöhe liegt bereits auf italienischem Staatsgebiet. Der Pass überquert den Alpenhauptkamm und verbindet den Vinschgau (Südtirol ) mit Tirol.  Zur Römerzeit führte die Via Claudia Augusta über den Pass. Sie wurde 50 n. Chr. eröffnet und war Hauptverkehrsader zwischen Italien und der Region Augsburg. Erst später, speziell durch den Ausbau der Autobahn, wurde der Brennerübergang wichtiger. Der Name Reschen  kommt von einem Hof  Resch in Passnähe und wird 1393 erstmals urkundlich erwähnt. Erst 1919  wurde die Grenze zwischen Österreich und Italien hier gezogen.

 Hier in der Nähe ist auch die Quelle der Etsch, welche durch den ganzen Vinschgau fließt, ihr Wasser fließt ins Mittelmeer.

Der Reschensee

 

 Zwischen 1948 bis 1950 wurde auf ital. Seite des Passes der Reschensee aufgestaut, dabei wurde der Ort Graun und ein Großteil des Ortes Reschen überflutet. Lediglich der Kirchturm von Graun wurde nicht vor der Flutung  abgerissen und ist heute noch sichtbar aus dem Wasser ragend. Bei Niedrigwasser kann er umwandert werden. Er ist ein beliebtes Fotomotiv. Das Lied “Atlantis der Berge” von den Kastelruther Spatzen (1994) erzählt diese Geschichte. Auch wir machten eine kurze Pause und genossen das schöne Panorama und machten auch die üblichen Fotos.

BK-Senioren radeln durch das Florianerland (1. 7. 2010)

Zusammen mit 15 weiteren Senioren aus BK radelten wir bei herrlichem Sommerwetter vom GH Pfistermüller los. Die Route führte durch St. Florian über die Linzerstrasse Richtung Hohenbrunn.

Hohenbrunn ist  das ehemalige Jagdschloss des Stiftes. Es ist der einzige Profanbau des berühmten Barockbaumeisters Jakob Prandtauer und wurde 1722-1732 errichtet. Nach dem Krieg vom Verfall bedroht, konnte es ein Verein käuflich erwerben und in der Folge wurde es wieder saniert und renoviert. Heute beinhaltet es das oö. Jagdmuseum und dient der Pflege der jagdlichen Tradition und wirbt um Verständnis fürs Waidwerk. Es beinhaltet eine wertvolle Jagdporzellansammlung, Bilder, Wandteppiche und Glas aus 4 Jahrhunderten. Die Räume mit Festsaal im Obergeschoss mit Stuckdecken und Wandmalereien können für Feste, Hochzeiten, Kongresse usw. gemietet werden. Das Museum ist auch tagsüber stundenweise zu besuchen. Aus zeitl. Gründen war uns dies nicht möglich, von der Fasade, dem Innenhof  und dem Aufgang konnten wir uns aber ein Bild machen. Es ist wirklich “Pipi fein”.

Wir radelten weiter über Enzing nach Mickstetten und folgten dann der beschilderung “Florianiweg”. Über den Güterweg Steggraben dann ansteigend nach Obereglsee (die Konditionsstärkeren fuhren, die aber, die ihr Rad lieben, schieben). Von der Anhöhe hat man einen wunderbaren Ausblick ins oö. Voralpengebiet Richtung Süden und ins Florianerland mit dem mächtigen Stift Richtung Norden und Osten.

Nach einigen Kilometern erreichen wir die Wallfahrtskirche Ruprechtshofen, es ist dies eine Filialkirche von Niederneukirchen. der Sage nach soll der Hl. Rupert selbst den Bau einer Kirche hier angeregt haben (etwa 696 n. Chr.). Von den frühen gotischen Vorläferbau ist nichts mehr zu erkennen. An der Südwand ist ein römischer Sarkophagstein eingemauert worden, der bei Renovierungsarbeiten 1979 gefunden und freigelegt wurde. Er wird ins 3. Jht. n. Chr. datiert. Heute präsentiert sich die Kirche mit ihren reizvoll gestaffelten Dächern als barocker Bau, der 1754-1758 erweitert (Anbau der Sakristei) und barockisiert wurde. Die Dachziegel sind alle durchwegs rund 200 Jahre alt. Bei der letzten Renovierung 1997 wurden alte Dachziegel der Kirche von Wartberg ob der Aist wiederverwendet. Innen zeigt sich ein einschiffiges Langhaus, seit 1998 weiß ausgemalt. Eine kleine zierliche Orgel steht an der Brüstung der Empore, sie stammt aus dem Jahre 1710 und ist voll funktionstüchtig. Der Hochaltar stammt aus der Rokkokozeit im Zentrum eine gotische Madonna mit Kind.

Die Kirche ist eine Wallfahrtskirche seit ca 1750. Welche Art von Wunder oder Heilungen es gegeben hat,  ist nicht bekannt, da die Votivbilder verschwunden sind, bzw. durch Feuchtigkeit zerstört wurden. Auch in der heutigen Zeit gibt es eine rege Wallfahrtstätigkeit aus den umliegenden Orten. Desweiteren wird die Kirche gerne für Taufen oder Trauungen genutzt. Wir verweilten ein paar Minuten  in dem schönen Gotteshaus bevor wir uns im Gastgarten des dabenliegenden Gasthauses ein kühles Bier und frisches Gebäck gönnten.

Frisch gestärkt fuhren wir weiter über den Güterweg Richtung Niederneukirchen. Nach Überqueren der Landstraße und etwas steil bergauf erreichten wir den Ortskern. Dominant ist hier die wuchtige Kirche erbaut im spätgotischen Stil aus dem 15. Jht. Sie beinhaltet ebenfalls viele kunsthistorische interessante Details und ist es wert, besucht zu werden.

Wir radelten weiter zur Ortschaft Grünbrunn. Von hier nahm die erste Wasserleitung ihren Anfang zum Stift St. Florian (1333). Wieder mäßig bergauf ging´s zur Landstraße, dieser folgten wir einige km, dann bogen wir rechts ab nach Distelberg und weiter nach Hausleiten. Wir fuhren durch die Ortschaft Tillysburg mit dem gleichnamigen Schloss Tillysburg auf der Anhöhe, erreichten in Kürze nach Samesleiten den auf der linken Seite liegenden Sumerauerhof.

 Es ist dies ein riesiger Vierkanthof mit einer imposanten Fensterfront, der als Denkmalhof und Freilichtmuseum genutzt wird. Er war bis in die 70 iger Jahre bewirtschaftet. Nun kann man die damaligen landwirtschaftl. Maschinen und Gerätschaften sehen und sich ein Bild von der Lebensweise reicher Bauern in der 1. Hälfte des  20. Jhts. machen. Nach einem kurzen Besuch des Hofes fuhren wir weiter Richtung St. Florian und zurück zum GH. Pfistermüller, wo uns ein verspätetes Mittagessen wirklich gut schmeckte.

Mit vielen neuen Eindrücken fuhren wir dann mit den PKWs nach Hause.

GH. Pfistermüller
bereit zur Abfahrt
Hohenbrunn
Blick auf St. Florian
Wallfahrtskirche Ruprechtshofen
Römerstein
Hochaltar

Niederneukirchen
Schloss Tillysburg
Sumerauerhof

vier Tage Vinschgau (16.-19. 07. 2010)

Zusammen mit meiner Frau hatte ich im Rahmen eines 4-tägigen Ausflugs mit der Ortsgruppe BK des SB die Gelegenheit den Vinschgau etwas näher kennenzulernen.

Dazu einige (subjektive) Eindrücke von der Reise.

Bei herrlichem warmen Sommerwetter holte uns der Bus bereits um 6.00 in BK ab. Vollbesetzt (50 Pers.) erfolgte die Anreise über Salzburg- Innsbruck- Mils mit Mittagspause, dann weiter über (eigentlich drunter im Tunnel) Landeck über den Finstermünzpass nach Nauders.

Finstermünz war bereits im 10. Jht. ein Gerichtssitz. Im 15. Jht. wurde von Herzog Sigmund eine Grenzbefestigung angelegt (Sigmundseck), die aussieht, wie an den Felsen geklebt, auffällig der mitten im Inn stehende Wehrturm mit beidseitigen Holzbrücken. 1854 wurde die Hochfinstermünzstrasse nach Nauders zu Bauen begonnen. Die Pläne stammten von Karl Ritter von Ghega.

Nauders (1394 m, 1536 Einw.) liegt in einem Hochtal zwischen dem Finstermünzpass im Norden und dem Reschenpass im Süden. es gehört geographisch bereits zum Vinschgau. Im Südwesten des Gemeindegebietes treffen die Grenzen von Österreich, Italien und der Schweiz einander (Dreiländergrenzstein 2179 m). Im Nordosten erheben sich die Ötztaler Alpen, im Westen die Samnaungruppe und Südwesten die Engadiner Alpen.

Nauders hat eine alte Geschichte.  50 nach Christus eröffneten die Römer bereits die Via Claudia Augusta, die von Augsburg über die Alpen nach Italien führte und bedeutender als der Brennerübergang war. Nauders war bereits auf einer röm. Strassenkarte im 2. Jht. als “Inutrium” eingezeichnet. 1150 wurde es urkundlich erstmals erwähnt. Bereits im 10 Jht. war es ein Gerichtsort der Grafschaft Vinschgau. 1475/76 entbrannten die ” Engadiner Kriege” zwischen den Habsburgern und den Engadingern und der Ort und die Burg Naudersberg wurden in Mitleidenschaft gezogen. Im 14.Jht. wütete die Pest in Europa; 1348 starben an dieser Seuche fast alle Einwohner des Ortes. 1609 verschüttete eine Lawine den Ort und riss 22 Häuser weg, 1871 richtete eine Mure großen Schaden an, 1880 wütete ein Großfeuer, bei dem 83 Wohnhäuser und 72 Wirtschaftsgebäude vernichtet wurden. 1799 fielen im Rahmen der Napoleonischen Kriege die Franzosen im Dorf ein, plünderten, zerstörten die Einrichtungen und vernichteten die Nahrungsvorräte.

Heute ist Nauders eine Tourismusgemeinde, sowohl im Winter als auch im Sommer (300km markierte Wanderwege, 700 km Rad-u. Mountainbikewege, Wanderwege bis Klettersteige aller Schwierigkeitsstufen. Im Winter stehen 90 km Langlaufloippen, 111 km Schipisten, 110 geräumte Wanderwege und 70 km Schneeschuhwanderwege zur Verfügung. 12 Aufstiegshilfen bringen die Gäste nach oben (bis 2850 m).

Burg Naudersberg

Oberhalb des Ortes um 1200 angelegt, das derzeitige Aussehen stammt aus der Zeit des Wiederaufbaus nach den Engadinger Kriegen 1499. Von 1330- 1919 (Teilung Tirols) wurde sie als landesfürstliches Gericht genutzt und war auch Wohnsitz des jeweiligen Richters. Die Burg zeigt heute noch den originalen mittelalterlichen Bauzustand, da immer nur das Nötigste zu ihrer Erhaltung gemacht wurde.

 Sie ist seit 1980 in Privatbesitz, in den ehemaligen Stallungen findet sich ein Restaurant, das wir besuchen konnten, eine Führung war zeitlich nicht möglich. Der Ausblick von der Burg ist  aber traumhaft.

Mittagsrast in Mils
Nauders

Burg Naudersberg

Eingang zur Naudersburg

Ein schöner Fleck Heimat (eine Sonntagswanderung)

Bei herrlich warmem Sommerwetter wanderten wir (meine Frau , Tochter Gerda und ich) am Sonntag 11.07. morgens von Tiefenbach (242 m) weg auf den Brandstetterkogel.

 Der Weg beginnt unmittelbar in der Kehre der Straßenauffahrt  (B 119)zur Greinerbrücke und ist als Matrassteig in der Karte vermerkt. Er ist benannt nach Franz Eduard Matras (1862-1945), er war Präsident des “österreichischen Touristenklubs” von 1912-1939. Der Weg führt  im Wald steilbergauf und zieht dann einige 100 m über der Donau quer den Hang entlang über zum Teil schroffes felsiges Gelände weiter. Wir hielten uns aber rechts und gerade aufwärts und erreichten den Gipfelstein (519 m) mit einer herrlichen Aussicht nach Grein. Vorgelagert findet sich einige Meter davor das wuchtige hölzerne Gipfelkreuz jüngeren Datums mit einem Gipfelbuch.

 Hier hat man eine wunderbare Aussicht auf die Donau flussaufwärts. Nach einer kurzen Rast wanderten wir weiter Richtung Branstetter Kogel (Schutzhaus)  Der Weg führt anfangs leicht bergab, dann über ein kleines Bächlein und dann in Kehren mäßig steil bergauf, wo wir alsbald die Hütte erreichten (532 m). Nach einer kurzen Rast auf der Veranda der Hütte mit Blick auf Grein und die Hügel des unteren Mühlviertels brachen wir gestärkt durch Speis und Trank auf . Auf der Normalroute stiegen wir ab und  erreichten  rasch das Donauufer zwichen Wiesen und Tiefenbach. Nach kurzer Wanderung auf der Straße sind wir wieder am Ausgangspunkt unserer Tour gelandet.

Alles in allem waren wir ca. 2 1/2 Stunden unterwegs bei herrlichstem Sommerwetter und uns hat es gut gefallen. Laut Gipfelbuch  waren wir an diesem Tag die ersten Gäste (von denen, die sich eintrugen!). Auch sonst haben wir kaum Wanderer getroffen, die Schutzhütte war ebenfalls fast menschenleer und das Sonntagmittag! Es ist schade, die Natur ist wunderschön, eine Bewegung wäre ebenfalls gesund. Die Wege sind gut gepflegt, die Preise der Hütte nicht überhöht. Irgendetwas muß wohl die Menschen in unserer Zeit träge machen, schade.

Oberst Klinke-Hütte (29.06.10)

Nach Besuch des Weidendoms und des Bergsteigerfriedhofes in Johnsbach brachte uns der Bus  über Admont in die Kaiserau, von dort auf der Mautstraße bis zum Parkplatz bei der Oberst-Klinke Hütte (1486 m), wo schon das Mittagessen auf uns wartete.

Oberst Rudolf Klinke suchte als Ausbildungsleiter des damals in Admont stationierten Gebirgsjägerregiments einen geeigneten Platz für ein Trainingslager. Am Fuße des Kalblings fand er die idealste Umgebung. Die Hütte wurde während der Kriegsjahre erbaut und bekam nach seinem Tod 1939 seinen Namen. Nach 1959 kam die Hütte in den Besitz des Österreichischen Alpenvereins, der sie auch heute noch betreut und den Namen „Oberst Klinke Hütte“beibehielt.

Nach dem Mittagessen hatten wir noch genügend Zeit bei herrlichem Sommerwetter eine kleinere Wanderung zu machen. Wir stiegen zum Kalbling Gatterl (1542 m) problemlos auf, immer vor uns das wuchtige und schroffe Bergmassiv des Admonter Kalbling (2196 m). Mit ein paar “Konditionsstärkeren”  ging ich noch weiter den Langgangkogel hinauf, immer auf einem moosigen teilweise im  mit Heidelbeersträuchern bewachsenen lichten Waldboden führenden Pfad. Vor uns aufragend der Kalbling und dahinter das Sparafeld (2247 m), konnten wir wirklich die herrliche Aussicht genießen. Man bekommt  Appetit, wieder mal eine echte Bergtour zu machen.

Nach dem Abstieg zur Hütte war noch genügend Zeit, ein kühles Bier zu trinken, bevor uns der Bus wieder aufnahm und es heimwärts ging. In Biberbach im GH Kappl wurde nochmals Rast gemacht, bevor es endgültig heim nach BK ging. Gesund und wohlbehalten mit vielen schönen Eindrücken stiegen wir 49 Teilnehmer zu Hause wieder aus dem Bus. Mein Dank gilt der Organisation.

 

 

Besuch des Bergsteigerfriedhofes in Johnsbach (29.06.10)

Nach dem Stop beim Weidendom fuhr uns der Bus ins Johnsbachtal nach Johnsbach, wo ein Besuch der Pfarrkirche und des herum angelegten Friedhofs, besser bekannt als “Bergsteigerfriedhof” geplant war. Das 200 Seelen-Dorf Johnsbach hatte seinen Friedhof um die Kirche herum angelegt. 1885 trug man auf Stangen die ersten Touristenopfer der Gesäuseberge herunter und begrub sie zwischen den Johnsbacher Bauern. Vorher waren es Johnsbacher, die bei ihrer Arbeit als Holzfäller, Jäger oder Sennerinnen in den Bergen verunglückten. Die erste Nennung eines Bergtoten stammt aus dem Jahre 1810.

  Mit der Entdeckung des Gesäuses als hochalpines Touristenparadies für bergbegeisterte Wiener bekam der Friedhof eine zusätzliche Aufgabe. Es wurden hier tötlich verunglückte Bergsteiger begraben. Der nördl. und östl. Teil des Friedhofes war eher den Bergtoten vorbehalten. Mit dem Ende des 2. Weltkrieges lagen 70 Bergtote dort begraben, ab den 50-iger Jahren werden die Toten immer häufiger in ihre Heimatorte überführt. Vor 15 Jahren wurde das letzte Opfer der Berge hier begraben. Erfreulicherweise nahmen die Totbergungen im Gesäuse kontinuierlich ab. In den Zwanzigerjahren kam auf jeden Einsatz ein Toter, in den letzten zehn Jahren wurden bei 310 Einsätzen 280 Personen lebend und 27 tot geborgen.

Auch ein junger Bad Kreuzner kam in den Sechziger Jahren dort ums Leben und liegt auf dem Friedhof begraben (wir konnten seinen Namen auf einer Liste dort finden allerdings nicht mehr sein Grab). Man wird doch innerlich ganz seltsam bewegt, wenn man durch die Gräberreihen geht und die manchmal ganz eigenwillig gestalteten Grabsteine mit den Inschriften der meist in jungen Jahren Verstorbenen betrachtet. Vor über 40 Jahren habe ich diesen Friedhof bereits einmal nach einigen Bergtouren im Gesäuse besucht, damals waren die Eindrücke und Gefühle, soweit ich mich erinnere, ganz andere.

Der Bergsteigerfriedhof in Johnsbach ist nicht der einzige in Österreich, aber der größte. Es liegen hier 83 Touristen begraben, 49 Gräber sind noch erhalten. Weitere solcher Friedhöfe finden sich in Heiligenblut am Großglockner, in Pontresina am Fuße der Bernina, in Zermatt am Fuße des Matterhorns, in Sulden am Ortler und in Chamonix am Mont Blanc. (Quelle: Der Bergsteigerfriedhof in Johnsbach, Josef Hasitschka)

Natürlich konnte ich auch die Kirche besuchen, in ihrem äußeren Erscheinungsbild ist es ein schlichtes frühbarockes Gotteshaus aus der Zeit um 1665. Im Presbyterium ist noch der gotische Vorgängerbau aus dem 14. Jht. zu erahnen. Die Kirche ist dem Hl. Ägidius geweiht. Es ist einer der “vierzehn Nothelfer” und wird im bäuerlichen und handwerklichen Bereich verehrt. Als Viehpatron und Fürsprecher bei Krankheit und Unfruchtbarkeit stand er bei der ländlichen Bevölkerung in hohem Ansehen.

Ein ganz interessantes Detail habe ich der Broschüre vom Pfarrprovisor P.Gebhart Grünfelder entnommen, wonach das Gotteshaus in den Sechzigerjahren  seiner früheren barocken Ausstattung komplett beraubt  und dann doch zu einfach und modern eingerichtet wurde. In den letzten Jahren wurde (offensichtlich nach einem Pfarrerwechsel) ein Teil der alten kostbaren Einrichtung wieder ins Gotteshaus zurückgeführt. Ich finde, es ist gut gelungen und die Kirche erstrahlt in bestem Glanz. Dem Verantwortlichen ist zu gratulieren.

Mit vielen neuen Eindrücken von der Kultur und der wunderschönen umgebenden Natur bestiegen wir wieder den Bus und fuhren weiter über die Kaiserau zur Oberst Klinke Hütte.