Besuch der Punkva-Höhlen und der Macocha-Schlucht (180811)

Im Rahmen unserer Reise nach Brünn besuchten wir auch den Mährischen Karst und die Punkva-Höhlen. Dieses Karstgebiet nördl. von Brünn gelegen hat eine Flääche von etwa 100 km² (Breite von 3-5 km, Länge ca. 25 km), wobei die Punkva- Höhlen im nördl. Teil des Karstes liegen.

350-380 Mill. Jahre alte organogene Meeressedimente aus dem mittleren bis oberen Devon (also dem Erdaltertum) bilden das Kalkgestein, welches auf dem Magmagestein (Graniten) des Brünner Massivs liegt. Nach dem Rückgang des paläozoischen Meeres und der variszischen Gebirgsbildung im gesamten böhmischen Massiv begann das freigelegte Kalksteingebirge immer mehr zu verkarsten. Die Dicke des Kalkgesteins wird auf 500- 1000 m geschätzt. In der Folge wurde das Gebiet noch einige Male in der Erdgeschichte kurzzeitig von Meeren überflutet: z. B. während der Kreidezeit, wovon Karbonatsedimente mit Versteinerungen von Ammoniten und anderer Meeresbewohner zeugen. Bei der Meeresüberflutung im Tertiär wurden die tiefen Karsttäler und ältesten Höhlen wieder mit jüngeren Lehmsedimenten aus dem Wiener Becken angefüllt. Ab der Mitte des Tertiär (etwa seit 30 Mill. Jahren) entwickelte der Karst nach und nach seine heutige Gestalt.

Heute sind im Mährischen Karst über 1100 Höhlen registriert. Entstanden sind sie durch Erosionstätigkeit von Niederschlagswasser und unterirdischen Flüssen in den leicht löslichen Kalksteinschichten. Die Punkva-Höhlen sind der Austrittsbereich des unterirdischen Flusses Punkva. Der Fluss tritt am Grund der Macocha-Schlucht zu Tage und fließt dann durch die Punkva-Höhlen. Diese Höhlen entstanden in mehreren Etagen und an geologischen Bruchstellen kam es auch zu Deckeneinstürzen und Einbrüchen. So bildeten sich die großen  Dome im Inneren oder die gewaltige Macocha-Schlucht (187 m tief, davon trockener Teil 138 m!).

Die Punkva Höhlen bestehen aus einem trockenen Teil, der zwischen 1909 und 1914 entdeckt wurde, und einem wassergefülltem Höhlensystem, welches zwischen 1920 und 1930 erforscht wurde. Aber auch heute werden noch weitere Entdeckungen gemacht. Die Gesamtlänge der Gänge beträgt ca. 4 km. Die 1250 m lange  unterirdische Flussfahrt mit Booten wird bereits seit 1920 betrieben.

Auch wir konnten daran teilnehmen- ein eigenartiges Gefühl und nichts für Leute mit Klaustrophobie. Im Inneren herrscht eine Temperatur von 7-8°C bei einer Luftfeuchtigkeit von 99%. Erwähnenswert ist die reiche Tropfsteinverzierung der Höhlen. Die Tropfsteine sind Kondensate vom gesättigtem Karstwasser,  das durch das Kalkgestein durchsickert und dabei Kalksalze herauslöst. Auffällig die vielen Formen der Tropfsteine von zarten nadelförmigen Gebilden bis zu mächtigen Säulen und Vorhängen finden sich die Sinterablagerungen und lassen die Höhlen schaurig schön,  geradezu unwirklich erscheinen.

Am Ende der Führung durch den trockenen Teil der Höhlen standen wir am Fuße der Macocha -Schlucht(auf deutsch: Schwiegermutterschlucht) und blickten nach oben, wo nur ein schmaler Streifen blauer Himmel zu sehen war. Viele Sagen und Geschichten ranken sich um diese Schlucht. Noch ein Kuriosum: bis 1914 gab es in der benachbarten Ortschaft einen sonderbaren Beruf – “Entsorger” der Selbstmörderleichen aus der Macocha-Schlucht!?.

Blick aus der Schlucht

Wir gingen noch einige Meter zum See am Grunde der Schlucht hinunter und bestiegen die Boote, auf denen wir durch den wassergefüllten Teil des Höhlensystems fuhren und die uns nach über 1 km unterirdischer Flussfahrt  wieder ans Tageslicht brachten. Eine hochinteressante Besichtigung war damit zu Ende.

unterirdische Flussfahrt

Quellen: http://www.moravskykras.net/de/mahrischer-karst.html,  Punkva-Höhlen und Macocha-Schlucht, herausgegeben von der Höhlenverwaltung der Tschechischen Republik,Ausgabe 2011

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